250-jähriges Jubiläum Bergschule Clausthal
1775 - 2025 Bergschule Clausthal
Am 5. und 6. September dieses Jahres feierten wir 250-jähriges Bestehen der Bergschule Clausthal. Es war eine gelungene Jubiläumsfeier, über die wir hier berichten. Der nachfolgende Text stammt aus der Goslarschen Zeitung:
„250 Jahre und 250 Gäste“ – die Clausthaler Bergschule, die heutige Fachschule für Wirtschaft und Technik (FWT), versteht wahrlich das Feiern. Der 9. Mai 1775 gilt als das Gründungsdatum der Schule. Nachdem an jenem Tag in diesem Jahr zunächst eine interne Feier stattfand, wurde jetzt richtig gefeiert. Eine weise Entscheidung, denn nun herrschte auch das perfekte Wetter für Bergumzug und gemütliches Beisammensein rund um das Schulhaus. Die Feierlichkeiten selbst begannen bereits am Vorabend mit einem Festakt im Glückauf-Saal, ganz in der Bergbautradition mit Bergkittel, Tzscherper-Essen und gemeinsamen Gesang. Von der großen Resonanz zeigten sich selbst die Veranstalter der Schule überwältigt. Bergschuldirektor Dr. Michael Richter begrüßte die Anwesenden auf das herzlichste und genoss sichtlich den in der Branche üblichen Zusammenhalt über alle Altersgrenzen hinweg. Zahlreiche Absolventen der Berg- und Hüttenschule waren anwesend. Manch einer hatte seinen Abschluss Ende der 50er Jahre gemacht und freute sich nun sichtlich, noch einmal eine solche Veranstaltung zu erleben. Andere, mit Abschluss aus den 1990er Jahren, nutzten die Gelegenheit für ein Klassentreffen. Und auch die frischen Absolventen der letzten Jahre statteten Clausthal gern wieder einen Besuch ab. Man kennt sich an der Bergschule, man freut sich über das Wiedersehen mit Kommilitonen und Dozenten, man gehört zusammen.
Die Grußworte der Berg- und Universitätsstadt Clausthal-Zellerfeld überbrachte Bürgermeisterin Petra Emmerich-Kopatsch. Sie betonte, dass Rat und Verwaltung stolz seien, „diese Institution am Ort zu haben“. Nicht genug zu würdigen sei, dass sich noch Menschen für Rohstoffe interessierten und nicht alle Influencer werden wollten. Sie dankte für die gute Zusammenarbeit: „Wir sind schon ein gutes Team hier am Berg“. Ähnlich äußerte sich Carsten Mühlenmeier, Präsident des Landesamtes für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG). 1775 habe man „eine sehr gute und richtige Entscheidung für eine Bergschule getroffen, ein Meilenstein für den Harz und die Entwicklung des gesamten Bergbaus“. Dass diese Schule nun heute noch nach 250 Jahren existiere, zeige „welch nachhaltige Kraft im Bergbau steckt“. Diesen Aspekt griff Dr. Michael Richter in seiner Festrede auf: „Aus einem kleinen Anstoß an Wissbegierde im Jahre 1775 wuchs eine Institution, die mit Mut, Neugier und kontinuierlichem Streben nach Exzellenz neue Wege bahnte und damit den Bergbau mitgestaltet hat.“ Dabei zog der Redner interessante Quervergleiche. Beispielsweise können die USA erst im kommenden Jahr 250-jähriges Jubiläum feiern. Johann Wolfgang von Goethe lebte in jenen Tagen, die industriellen Revolutionen veränderten die Arbeits- und Lebensumstände. Richter betonte unter Beifall: „Unsere Bergschule ist mehr als ein Ort des Lernens. Sie ist ein Ort der Begegnung: zwischen Tradition und Innovation, zwischen Erfahrung und Vision, zwischen Entdecken und praktischer Anwendung. Hier wurden Theorien in die Praxis umgesetzt, die später die Grundlagen für den modernen Bergbau bildeten.“ Ein Jubiläum wie dieses erinnere aber an die Verantwortung, die mit einer solchen Geschichte einhergehe: „Wir tragen heute die Idee weiter, dass Bildung der Schlüssel zu nachhaltigem Fortschritt ist“. Der Erfolg der Bergschule gründe sich heute auf viele Säulen, z.B. das Regionale Landesamt für Schule und Bildung in Braunschweig, vertreten durch Behördenleiter Torsten Glaser. Er ist verantwortlich für ca. 600 Schulen. Als Geschenk überreichte eine Linde, die symbolisch für das weitere Wachsen der Bergschule stehen wird. Tragende Säule ist auch das Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie LBEG. Weitere wichtige Säulen sind die fünf Gesellschafter (REFA Nordwest, Stadt Clausthal-Zellerfeld, Stadtwerke Clausthal-Zellerfeld, K+S und MIRO) sowie die Kooperationen mit der TU Clausthal und dem Ring deutscher Bergingenieure. Nicht zuletzt aber sind es die motivierten Mitarbeiter und die Studierenden aus allen Jahrgängen selbst. Ganz besonderer Dank galt dem „Vater der FWT“, Wolfgang Schütze. Dieser hatte es sich nicht nehmen lassen, das Jubiläum an beiden Tagen vor Ort mitzufeiern. Der langjährige Bergschuldirektor brachte in seiner Ansprache die Geschichte der Schule näher, die einst nach einer Anregung von Henning Calvör mit zwei Klassen angefangen hatte. Aus der ersten Klasse entwickelte sich die Bergakademie, die heutige TU, aus der zweiten Klasse die Steigerschule als klassische Bergschule. Die Teilung erfolgte 1853. Seitdem behauptet sich die Bergschule, übrigens heute als letzte noch verbliebene in Deutschland. In Clausthal-Zellerfeld ist somit die größte Fachschule für den Bergbaubereich beheimatet. Hier werden Staatlich geprüfte Techniker (Bachelor Professional in Technik, DQR 6-Niveau) in fünf Schwerpunkten ausgebildet. Wer nach erfolgreichem Technikerabschluss und Berufspraxis noch die Oberklasse mit Betriebsführerlehrgang besucht, erwirbt innerhalb von zwei Semestern nicht nur die Berufsbezeichnung „Ingenieur“, sondern auch den „Master Professional“ (DQR 7-Niveau). Beide Abschlüsse werden nach dem Aufstiegs-BAföG gefördert. Zudem bietet die FWT Weiterbildungen zum Staatlich geprüften Techniker für Maschinen- und Elektrotechnik an. Komplettiert wird das Bildungsangebot durch umfangreiche Seminare in Technik und Management für den Bergbau und die Metallurgie.
Die Öffnung der Schule für Branchen außerhalb des Bergbaus, die Etablierung des Seminarbetriebs und eben die Neugründung als FWT gehen alle auf das Engagement von Wolfgang Schütze zurück. Mit immer wieder neuen Ideen schaffte es Schütze, die Schule auch in kritischen Zeiten immer wieder neu zu erfinden und so zu erhalten. Langanhaltender Beifall dankte dem langjährigen Bergschuldirektor für seine vielfältigen, erfolgreichen Bemühungen.
Selbst die Gründung des Bergschulchores war seine Idee. Bergleute und Metallurgen singen bekanntlich gern, eine Tradition, die sich bis heute fortsetzt. So umrahmte der Bergschulchor unter Leitung von Martin Ksink den Abend und konnte sich dabei über sangesfreudige Unterstützung aus dem Saal freuen. Für Extrafreude sorgte eine großzügige Spende der Firma K+S.
Der Folgetag begann mit einer Bergparade von der Schule ausgehend über die Adolph-Römer-Straße bis hin zur Kirche St. Nikolaus. In der Tradition des Bergdankfests fand hier ein ökumenischer Gottesdienst unter Leitung von Pastor Wolfgang Thon-Breuker und Thomas Gundermann statt. Wenig bekannt: Selbst die katholische Kirche hat ihren Bezug zur Bergschule. Ab 1866 kamen vom Rhein Lehrkräfte für den Bereich Kohle, die hier eine eigene katholische Kirchengemeinde etablierten. Zusammen gedachten die Anwesenden der verstorbenen Bergschüler und beteten gemeinsam für eine weitere erfolgreiche Zukunft der Bergschule.
Anschließend öffnete die Bergschule ihre Türen zum gemütlichen Beisammensein, zu Besichtigungen und Vorträgen. Wie hatte es früher ausgesehen, wo war mein Klassenraum, welche Dozenten sind noch aktiv? Ehemalige und Angehörige erkundete die Schule nochmals neu, stellten viele Fragen und freuten sich sichtlich über den guten Erhaltungszustand „ihrer“ Bergschule. Großes Interesse fand die Mineraliensammlung mit ihren faszinierenden Stücken aus Bergwerken, die heute längst Geschichte sind. Doch die Lehrsammlung bleibt aktuell, denn immer wieder werden neue Stücke von Exkursionen mitgebracht. Und so hat sie im Unterricht noch immer ihren festen Platz, denn viel schöner ist es, ein Stück zu „begreifen“ als nur eine chemische Formel zu sehen.
Weitere Highlights des Festes waren Besichtigungen, die das LBEG und das Oberharzer Bergbaumuseum anboten. Hinzu kamen noch Erlebnisfahrten mit der Otti-Bahn, und – nicht zu vergessen – ein eigens von der Biermünze gebrautes Bergschulbier.
Ein rundum gelungenes Fest, das die Tradition der Bergschule bewahrt und fortsetzt. Für die nächsten Jahre ist man optimistisch, denn wie stets in der Vergangenheit, erfindet sich die Bergschule immer wieder neu – aktuell mit einem Fachbereich Bohrtechnik.
Text für die Goslarsche Zeitung von Dr. Catrin Kammer (veröffentlicht am 08.09.2025 in der GZ)
Ihr FWT-Team



























