Laudatio für Wolfgang Schütze
Sein facettenreiches Wirken ist außergewöhnlich!
Viele der jüngeren Leser werden Wolfgang Schütze vielleicht gar nicht kennen und somit auch nicht wissen, welchen Bezug er zum Bergbau und zu seiner Wirkungsstätte der Berg- und Universitätsstadt Clausthal-Zellerfeld hat. Den älteren Lesern ist er wohlbekannt und hat eventuell auch ihre Laufbahn geprägt. Mitglied im RDB ist er seit 01.01.1982. Im Juli 2026 feierte er seinen 95. Geburtstag. Wagen wir einen Rückblick auf sein bisheriges Lebenswerk.
Zu Beginn schauen wir auf seine Zeit an der Berg- und Hüttenschule in Clausthal-Zellerfeld, ehe die Schriftstellerei zu Worte kommt. Dazu einige Daten:
Nennen wir es „Offizieller Teil seines Lebenslaufes“
Geburtsdatum: 02. Juli 1931,
Geburtsort: Lamspringe.
1951/56 Studium an der TH Hannover (heute Leibniz-Universität),
Abschluss als Diplom-Ingenieur
Anschließend 13 Jahre in der Industrie (1956-69).
Von 1969 bis 1998 Direktor der Berg- und Hüttenschule Clausthal. Die Bergschule erlebte in jener Zeit zunächst einen großen Aufschwung; insgesamt erreichten ca. 2.600 Techniker und Ingenieure (m/w/d) in seiner Amtszeit ihren Abschluss. Höhepunkt war 1993/94 mit einer Gesamtbelegung der Schule von 340 Bergschülern. 1994 gab es aber urplötzlich eine Zäsur, als die Bundesregierung das Arbeitsförderungsgesetz (AFG) ersatzlos strich, mit der Folge, dass die Bergschüler keine Förderung mehr erhielten. Zur gleichen Zeit begann auch der leider bis in jüngste Zeit anhaltende Niedergang des Bergbaus.
Aus beiden Vorgängen resultierte die offizielle Schließung zum 31.07.1998. Einen Tag später wurde aber die Berg- und Hüttenschule nahtlos in die heutige Fachschule für Wirtschaft und Technik umgewandelt. Das hatte sich aus seiner Tätigkeit als Vorstandsmitglied beim „REFA-Verband Nordwest“ in Dortmund ergeben. Der Zufall hatte es gefügt, dass er dieses Ehrenamt seit dem Sommer 1996 innehatte. Dadurch hatte er sozusagen als „Interner“ Gelegenheit, den REFA-Verband für eine neue Schulträgerschaft zu gewinnen, nachdem am Ende jenes Jahres 1997 die Stilllegung der Bergschule beschlossen worden war.
„REFA-Nordwest“ fand sich nach einigem Zögern auch bereit, in der neu zu gründenden gemeinnützigen GmbH 51% zu übernehmen. Weitere Gesellschafter kamen hinzu: die Berg- und Universitätsstadt Clausthal-Zellerfeld (von 1972-2014 noch „Samtgemeinde Oberharz“), die hiesigen Stadtwerke, die K+S AG sowie der Bundesverband Mineralische Rohstoffe. Ziel war und ist es, die Aus- und Weiterbildung qualifizierter Fachkräfte für die Rohstoffindustrie sicherzustellen.
Damit ist Schütze nicht nur der Vater der FWT im 28. Jahr, sondern er sicherte die weitere Existenz der Bergschule Clausthal im nunmehr 251. Jahr. Sie entstand aufgrund seines persönlichen Engagements beim Verband „REFA-Nordwest“. Für seinen Einsatz erhielt er 1997 das „Bundesverdienstkreuz am Bande“. Sein Beruf war eine Berufung!
Aus der Vielzahl von Erlebnissen mit Wolfgang hob der RDB-Ehrenvorsitzende Dipl.-Ing. Theo Schlößer eines hervor:
„Es handelt sich um eine Ehrungsveranstaltung für ihn, ich meine anlässlich seines 60. Geburtstags, die im Audimax der TU Clausthal stattfand. Nach einigen beginnenden Ehrungen folgte Otto Bilges -ehemaliger Betriebsführer der Schachtanlage Lengede - mit einem Vortrag über das Grubenunglück in Lengede. Otto sollte diesen Vortrag auf Wunsch von Wolfgang als Vorzeige-Absolvent der Bergschule Clausthal halten! Im Verlaufe des Vortrags wurde er durch die damaligen Ereignisse aber plötzlich vollkommen traumatisiert, so dass er mit dem Vortrag einfach kein Ende fand! Nach rund einer Stunde des Vortrags stand Wolfgang Schütze auf, stellte sich neben Otto Bilges am Rednerpult auf, ohne ein Wort zu äußern. Plötzlich -aber doch nach doch geraumer Zeit - nahm Otto B. Wolfgangs Anwesenheit wahr und beendete seinen Vortrag abrupt - ohne zum eigentlichen Ende zu kommen! Es war für mich der Beweis für die einzigartige Autorität Wolfgangs, die für alle Zuhörer zu einem diesem gänzlich akzeptablen Ende führte, ohne die Person Otto Bilges zu desavouieren!“
So war auch der Autor der Laudatio 1989/90 in der Oberklasse der Berg- und Hüttenschule und hat Wolfgang also vor über 30 Jahren kennen- und schätzen gelernt; als Wegbereiter für die anschließende Tätigkeit als Technischer Betriebsleiter bei den Stadtwerken in St. Andreasberg. In einem Telefonat mit Werner Grübmeyer, dem damaligen Bürgermeister von St. Andreasberg, hatte er sich für den Autor eingesetzt. Und heute – 30 Jahre später – darf dieser seine Stelle als Schulleiter der FWT bekleiden, Wolfgang ist sein Vor-Vorgänger. Damit ist es dem Autor eine besondere Ehre, hier die Laudatio für Wolfgang Schütze schreiben zu dürfen.
Kommen wir nun zum „Inoffiziellen Teil des Lebenslaufs“
Der hat einen sehr kurzen Namen: „tz“ und betrifft seine schriftstellerische Tätigkeit. Diese begann 1972/73 bei der ehemaligen Oberharzer Tageszeitung „ÖA“ (= „Öffentliche Anzeigen für den Oberharz“) mit regelmäßig erscheinenden humoristischen Kommentaren zum Oberharzer Tagesgeschehen. Meistens in Gedichtform – u.a. Wilhelm Busch war und ist sein Vorbild. Diese Tätigkeit war rein ehrenamtlich. Sie endete ca.1995 zur Zeit der „Goslarschen Zeitung“.
Seit 1975 erschienen also jene tz-Kommentare jeweils am Jahresende in Form von illustrierten Jahresbänden. Später kamen einzelne Buchtitel hinzu: Gedichtbände, Limerick-Bücher, Plaudereien über den Oberharz usw. Auch Krimis sind dabei und vor allem diverse Liederbücher. Alles zusammen ca.30 Buchtitel, die inhaltlich den Themen Bergbau und Oberharz gewidmet sind. Zu seinen Büchern gehören unter anderem „Unsere kleine Hochschulstadt“, „Auf Oberharzer soll man nicht schießen“, „Bilder vom Bergwerk“, „Zylinder, Frack und Gummistiefel“ und „Mehr oder weniger Unpolitisches“ (zu beziehen z.B. über www.papierflieger-verlag.de)
Ehrungen erhielt Wolfgang einige, darunter das o.g. Bundesverdienstkreuz. 1994 erhielt er die Karl-Schnabel-Gedenkmedaille, und ist damit einer von sechs gesamt! Karl Schnabel komponierte das Lied „Dunkle Tannen stehen“, es wird bei feierlichen Anlässen gern von Studierenden und dem Bergbau-Verbundenen gesungen.
Von Wolfgang kommen viele Lieder, sie sind seine besondere Spezialität. Eine genaue Anzahl ist nicht bekannt. Einige wurden zusammengefasst zu Liederbüchern für Bergschüler wie auch -studenten. Beispielsweise hervorzuheben sind hier „Grubenlampen leuchten“ und „Mein Kamerad“. Spezielle Liedtexte entstanden für
- den 1971 gegründeten und heute noch bestehenden Bergschulchor,
- aus Anlass von Kommersen, heute unter der Regie des von ihm 1997 gegründeten Traditionsvereins an der Bergschule,
- bei seinen Reisen mit Unternehmensvertretern, des damaligen Bergschulvereins, seinen Kollegen und Schülern,
- beim Stammtisch BTADE (Bierehrlichsten Tisch Auf Dem Erdball) und ähnlichen Veranstaltungen.
- Oder einfach so – denn bei Wolfgang fließen die Texte scheinbar mühelos aufs Papier. … Das dem nicht so ist - Kreativität braucht ihren Raum - das wird jeder der selbst kreativ tätig ist, bestätigen können.
Hier sei nun besonders der jährlich im November stattfindende „Harzer Tzscherper“ der Berg- u. Universitätsstadt genannt, den Wolfgang seit Jahren mit seinen Texten und der Melodienauswahl unterhält. Er sorgt dafür, dass
- neben dem gesellschaftlichen und politischen Miteinander,
- den Gesprächen, dem Austausch der Teilnehmer untereinander,
- der Gesang zur Gemeinsamkeit führt.
Fürwahr eine herausragende Leistung – für die wir uns bei Wolfgang bedanken möchten.
Warum setzt sich Wolfgang so für den Bergbau und den Oberharz ein?
Einfache Antwort darauf: Weil er es kann und möchte. Er schreibt
- um Erkenntnisse zu gewinnen und zu dokumentieren. Als Verfasser von Texten ist er ständig auf der Suche nach Neuem. Dies ist in seinen Büchern nachzulesen.
- in Clausthal-Zellerfeld seine Heimat gefunden hat. Wovon auch seine 10-jährige Tätigkeit als Vorsitzender des Geschichts- und Museumsvereins (1981/91) zeugt.
- Er positiv eingestellt ist und seine Kreativität fließen lassen kann.
- Er ein Bergmann ist: er schätzt Kameradschaft und setzt sich für andere ein.
- Die Tradition pflegt: Bergbau ist Gemeinschaft, jeder steht für den anderen ein.
- Begegnungen mit Menschen ihm Freude bereiten – der Harzer Wanderkaiser „Wolfgang XIV.“ zusammen mit seiner Frau „Marlies IV.“ geschafft, zeugt davon.
- Womit ich zum Abschluss meiner Ausführungen komme: Er Rückhalt in seiner Familie und im Freundeskreis erfährt.
Beenden möchte ich meine Laudatio mit einem tz-Zitat aus einem seiner Bücher:
„Damit will ich aber schließen,
unpolitisch kurz und schlicht,
und sie alle herzlich grüßen
hier am Ende vom Gedicht!“
In diesem Sinne: Danke und Glückauf Wolfgang!
Text: Dr. M. Richter, anlässlich des 95. Geburtstages von Wolfgang Schütze
Bild: Wolfgang Schütze im Jahr 2018 (Quelle: Goslarsche Zeitung)